Dr. Helene Götschel

Dr. Helene Götschel

Name: Götschel

Vorname: Helene

Titel: Dr. phil., Dipl.-Phys.

Zu Gast am Fachbereich/ggf. Institut / Fachgebiet: FB Humanwissenschaften, Institut für Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik

Gastzeitraum: Januar bis Dezember 2020

Schwerpunkt in der Lehre: Internationalität, Interdisziplinarität, Gender und Diversity in den Bildungswissenschaften

Schwerpunkt in der Forschung: Queere und Intersektionale Geschlechterforschung in Naturwissenschaften

Herkunftsinstitution: Hochschule Hannover

Akademische Stationen: Universität Hamburg (Erziehungswissenschaft), Universität Uppsala (Gender Studies), Universität Darmstadt (Allg. Pädagogik), Hochschule Hannover (Maschinenbau, Fachgebiet Gender MINT)

Lehreveranstaltungen an der TU Darmstadt:

• Geschlechterforschung und Naturwissenschaften. Eine Einführung

• Die Reproduktion sozialer Ungleichheit: Der heimliche Lehrplan der Physik

• Gender und MINT

• Geschlechtervielfalt in Biologie und Sport erforschen

• Queere Perspektiven auf naturwissenschaftliche Bildung

• Teaching for Diversity and Social Justice

Was erwartet Studierende in Ihren Lehrveranstaltungen?

Studierende erfahren in meinen Lehrveranstaltungen, dass sich Theorien und Methoden der interdisziplinären Gender Studies, die vornehmlich in den Kultur- und Geisteswissenschaften entwickelt wurden, sehr wohl auch bei der Reflexion von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) sinnvoll anwenden lassen. So können durch dekonstruktive und intersektionale Ansätze der Geschlechterforschung einengende Normierungen sowie Macht- und Herrschaftsverhältnisse aufgezeigt werden. Sie führen dazu, dass sich MINT-Fächer durch ihr Image und ihre Fachkultur sowie der MINT-Unterricht durch seinen „heimlichen Lehrplan“ an der Reproduktion von sozialen Ungleichheiten beteiligen. Dies geschieht etwa, indem Geschlechtervielfalt auf ein System der Zweigeschlechtlichkeit verkürzt wird oder Zuschreibungen von Technikkompetenz einseitig nur bei einem bestimmten Geschlecht erfolgen. In den Lehrveranstaltungen geht es folglich darum, diese Mechanismen zu erkennen und Handlungsmöglichkeiten für ihre Veränderung zu diskutieren. Die Veranstaltungen wenden sie sich dabei sowohl an angehende Lehrkräfte für MINT-Unterrichtsfächer, als auch an zukünftige Vermittler*innen einer Bildung in globalen Technisierungsprozesse.

An der TU und insbesondere im Rahmen von KI2VA ist Internationalisierung ein wichtiges Thema. Welche Aspekte sind aus Ihrer Sicht besonders hervorzuheben?

Gender Studies ist per se ein interdisziplinäres Forschungsfeld, so dass in den Bildungswissenschaften durch eine Genderperspektive pädagogische Ansätze durch historische und soziologische Fragestellungen erweitert werden. Darüber hinaus ist es mein Anliegen, naturwissenschaftlich-technische Perspektiven in der Geschlechterforschung zu stärken – etwa in den aktuellen, von der Quantenphysik inspirierten Theorieansätzen der „New Feminist Materialisms“ – und die Forschung zu Gender und MINT um aktuelle Fragestellungen der intersektionalen Geschlechterforschung, Queer Theory und Transgender Studies zu erweitern. Am Fachbereich Humanwissenschaften bestehen sehr gute Arbeits- und Forschungszusammenhänge u.a. mit dem Arbeitsschwerpunkt „Historische Zugänge zum Verstehen der Naturwissenschaften“ (Pädagogik der Natur- und Umweltwissenschaften), dem Projekt „Heterogenität als Qualitätsherausforderung in der Lehramtsausbildung“ (Praxislabor) und dem Forschungsteam zu Postcolonial Studies (Professur für Mode und Ästhetik). Fachbereichsübergreifend erfolgen Kooperationen zur Physik (Physikdidaktik) und zur Chemie (Chemiedidaktik).

Welches Fach oder welches Fächer würden Sie rückblickend als Studienfach interessieren und warum?

Tatsächlich gibt es viele Fächer, die mein Interesse wecken. Materialwissenschaften stelle ich mir als Studienfach sehr abwechslungsreich vor, weil es Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften verbindet. Es ist nicht nur lukrativ, sondern sicher auch sehr kreativ, neue Materialien zu entwickeln und zu erforschen. Dabei halte ich es für zeitgemäß, bei der Erzeugung von Materialien wie Hochleistungs- und Verbundwerkstoffen Fragen der Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Verantwortung mit in den Blick zu nehmen und sich beispielsweise damit zu befassen, neue Rohstoffe umweltverträglich zu erschließen oder Kunststoffe wieder aus dem Kreislauf entfernen zu können. Aufgrund meiner Lebenserfahrung halte ich Soziologie ebenfalls für eine sehr interessante und nützliche Wissenschaft. An der Schnittstelle von Natur- und Geisteswissenschaften angesiedelt macht sich diese Disziplin Gedanken über soziales Handeln, soziale Normen und sozialen Wandel von Individuen, Institutionen und Systemen. Die Untersuchung von Devianz, Macht und sozialer Ungleichheit beispielsweise sind alles Fragen, die eng mit der Geschlechterforschung verknüpft sind. Beeindruckend, wie durch sozialwissenschaftliche Verfahren aus Meinungen und Verhaltensweisen, Strukturen und Erwartungen ein Reflexions- und Orientierungswissen geschöpft werden kann. Besonders spannend sind Forschungsergebnisse meiner Meinung nach, wenn diese Betrachtungs- und Arbeitsweise auf spezielle Anwendungsfelder wie Organisationssoziologie, Stadtsoziologie oder Techniksoziologie, um nur einige Felder zu nennen, angewandt wird. Damit würde ich mich gerne intensiver beschäftigen.