Prof. Dr. Astrid Messerschmidt

Prof. Dr. Astrid Messerschmidt

Fachbereich: Humanwissenschaften, Institut für Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik

Gastzeitraum: Oktober 2014 – September 2016

Lehr- und Forschungsgebiet: Gender, Diversität und Diskriminierung

Abgeordnet von: Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Wichtigste berufliche Stationen: Ev. Erwachsenenbildung Dachverband, TU Darmstadt, Universität Flensburg, Universität Wien, Pädagogische Hochschule Karlsruhe; Lehrbeauftragte in Österreich und der Schweiz.

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2014/15: Gendertheorien in der Erziehungswissenschaft; Differenzreflexivität in schulischer und außerschulischer Bildungsarbeit; Heteronormativität als pädagogisches Problem; Genderorientierungen im Kontext von Diskriminierungskritik und social justice (Details siehe TUCaN)

1. Wieso sollten Studierende Ihre Lehrveranstaltungen besuchen?

Um sich Wissen über die erziehungswissenschaftliche und bildungspraktische Auseinandersetzung mit Differenzbedeutungen und Unterscheidungspraktiken anzueignen und um ein Bewusstsein für die Macht von Begriffen, Kategorien und Zuordnungen zu entwickeln. In pädagogischen Interaktionen werden Unterschiede gemacht, die sich auf die Bildungswege von Jugendlichen und Erwachsenen auswirken. Studierenden vermittle ich ein Instrumentarium, um sich selbstreflexiv mit ihren eigenen Normalitätsvorstellungen auseinander setzen zu können. Ausgangspunkt dafür ist die Kategorie Gender/soziales Geschlecht, die ich in Wechselwirkungen mit anderen gesellschaftlich machtvollen Unterscheidungskategorien wie Nationalität, Kultur, Sprache, Religion, soziale Klasse betrachte. Mir geht es um eine zeitgemäße Pädagogik im Kontext von sozialem Wandel, Globalisierung und Migration. Pädagogik soll immer Teil der Lösung sein, doch oft ist sie Teil des Problems. Jede institutionalisierte Bildung verstehe ich als zwiespältige Erfahrung in der Spannung von Emanzipation und Anpassung und werde in meinen Lehrveranstaltungen mit Studierenden diskutieren, wie diese Spannung heute im Studium erlebt wird und wie sie sich in pädagogischen Berufen auswirkt.

2. Wieso haben Sie die TU Darmstadt für ihre KIVA-II-Gastprofessur ausgewählt?

Durch persönliche Erfahrungen als wissenschaftliche Mitarbeiterin und vielfältige Kontakte in meinem Fachgebiet habe ich gute Anknüpfungspunkte und schätze die bildungstheoretische Ausrichtung im Fach Pädagogik an der TU Darmstadt.

3. An der TU Darmstadt und insbesondere im Rahmen von KIVA wird Interdisziplinarität großgeschrieben. Wo gibt es in Ihrem Arbeitsfeld Schnittstellen zu anderen Fachbereichen/Fachgebieten?

Die inhaltliche Ausrichtung meiner Gastprofessur an Gender und Diversität betrachte ich als geeigneten Ausgangspunkt für einen interdisziplinären Austausch zwischen ingenieur- und naturwissenschaftlich ausgerichteten Studiengängen und den Sozial- und Geisteswissenschaften. Dabei liegt in der disziplinären Entwicklung einer diskriminierungskritischen Erziehungswissenschaft ein Impuls zur Anerkennung vielfältiger Fachkulturen und diverser Auffassungen von Wissenschaft. Die Auseinandersetzung mit Differenzpraktiken und Vielfalt ist heute in allen beruflichen Feldern ein relevanter Faktor. Programme der Antidiskriminierung und der Diversity-Orientierung sind in Unternehmen wie im öffentlichen Dienst an der Tagesordnung. Insbesondere für Lehramtsstudierende ist Differenzreflexivität ein wichtiges Element für die Bewältigung des zukünftigen pädagogischen Alltags. Genauso relevant ist diese Kompetenz in außerschulischen Bildungsinstitutionen, in der Weiterbildung und Personalentwicklung.

4. Was ist Ihr bester Ausgleich zu einem fordernden Arbeitstag?

… in Bewegung kommen, Landschaften erleben, sich über aktuelle Ereignisse austauschen, Romane lesen, ins Kino gehen…