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05.12.2016

Einzelstärken für gemeinsames Ziel nutzen

Interdisziplinäres Projekt „Einführung in den Maschinenbau“ gestartet

Mit einer anspruchsvollen Aufgabe sind heute Studierende des Maschinenbaus und der Soziologie in das jährliche, interdisziplinäre Projekt „Einführung in den Maschinenbau“ (emb) gestartet: Sie sollen ein System für laparoskopische Operationen entwickeln, für den Einsatz in Entwicklungsländern – günstig, aus vor Ort verfügbaren Komponenten und gesellschaftliche wie medizinische Aspekte berücksichtigend. Mit dabei: Medizin-Studierende aus Mainz.

Laparoskopische Operation.
Laparoskopische Operation: Kann man ein einfaches wie kostengünstiges System für solche Eingriffe entwickelt? Bild: Universitätsmedizin Mainz

Das Projekt wird in diesem Jahr erstmalig interuniversitär in Kooperation mit der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz durchgeführt. Universitätsprofessor Dr. Oliver Muensterer, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie, und Universitätsprofessorin Dr. med. Susann Schweiger, Leiterin des Instituts für Humangenetik, lancierten das Projekt erfolgreich in den eigenen Reihen.

Zwanzig Studierende aus Mainz nehmen an der Projektwoche in Darmstadt als fachliche Experten teil. Sie unterstützen die knapp 330 Maschinenbau-Erstsemester und die etwa 30 Soziologie-Studierenden aus dem dritten Semester der TU.

Über die Herausforderungen der diesjährigen Projektwoche spricht der Koordinator Professor Dr.-Ing. Samuel Schabel, Fachbereich Maschinenbau:

TU Darmstadt: Warum ist es wichtig, dass Studierende zu Beginn des Studiums so komplexe Aufgaben bearbeiten?

Prof. Samuel Schabel: Ein wesentlicher Punkt unserer Projektwoche ist das Arbeiten in einem Team. Die Studierenden sollen gleich zu Beginn des Studiums praktisch erfahren, welche Aspekte und Herausforderungen das Arbeiten im Team mit sich bringt, das später im beruflichen Alltag vermutlich Normalität sein wird.

Für ein Team muss die Aufgabe natürlich komplex sein, um Erfahrungsmöglichkeiten zu bieten, wie man komplexe Fragestellungen unter Zeitdruck systematisch und erfolgreich bearbeiten kann. Das wird nicht gleich perfekt klappen, aber für die Studierenden sind solche Erfahrungen und das Kennenlernen von entsprechenden methodischen Ansätzen sehr wertvoll. Und wir möchten die Studierenden dazu motivieren, sich engagiert mit den Grundlagenfächern im Bachelor-Studium zu beschäftigen. Die Aufgabe wird zeigen, dass ingenieurwissenschaftliche Grundlagen helfen, solche technischen Probleme zu lösen.

Professor Dr.-Ing. Samuel Schabel. Bild: Sandra Junker
Prof. Samuel Schabel. Bild: Sandra Junker

Was ist das Faszinierende und Herausfordernde am Thema dieses Jahres?

In diesem Jahr arbeiten wir erstmals mit Studierenden der Unimedizin Mainz zusammen. Das heißt, wir haben Studierende aus drei Fachbereichen in den Teams – Maschinenbau, Soziologie, Medizin –, wobei die Studierenden aus der Soziologie und der Medizin aus höheren Semestern kommen.

Da wird es spannend, wie die Team-Mitglieder mit unterschiedlichem fachlichen Hintergrund, aber auch mit unterschiedlicher Studienerfahrung sich organisieren. Das Thema ist so gewählt, dass man mit einer guten Lösung vielen Menschen medizinisch helfen kann, die sonst keinen Zugang zu solchen Techniken haben. Die Herausforderung wird sein, schon existierende Lösungen an die neuen Rahmenbedingungen anzupassen und die vielfältigen Sicherheits-Anforderungen an ein medizinisches Gerät zu erfüllen.

In der Projektwoche geht es auch um Interdisziplinarität – was können die Studierenden der beteiligten Fachbereiche zum Thema beitragen oder voneinander lernen?

Die Breite der Wissenschaft erfordert Disziplinarität. Man muss sich spezialisieren, um in seiner Disziplin die Spitze des Wissens und Könnens zu erreichen. Doch kaum eine Fragestellung kann heute mit einer einzigen Disziplin gelöst werden. Deshalb möchten wir die Studierenden schon zu Beginn des Studiums, der disziplinären Bildung und Ausbildung, mit interdisziplinären Fragestellungen und mit dem praktischen Umgang damit, zum Beispiel in einem Team, konfrontieren.

So lässt sich erfahren, wie die Stärken des Einzelnen genutzt werden können, aber auch, wie das Ziel des Teams im Vordergrund stehen muss, um gut zu sein. In der Konstellation des Projektkurses – und wir denken, besonders in einer solchen sehr interdisziplinären Konstellation wie bei diesem emb – lässt sich sehr gut erkennen und erfahren, wie Kommunikation und Miteinander ganz wesentlich für das Erreichen des Zieles sind.

Hintergrund

Der interdisziplinäre Projektkurs „Einführung in den Maschinenbau“ (emb) kooperiert mit dem Studienprojekt KIVA (Kompetenzentwicklung durch interdisziplinäre Vernetzung von Anfang an) der TU Darmstadt.

Mit ihren interdisziplinären „Ingenieurprojekten“ gleich in der Startphase des Studiums hat die TU Darmstadt vor Jahren bundesweit Maßstäbe gesetzt: Was im Bauingenieurwesen und Maschinenbau begann, inspiriert an der TU Darmstadt immer mehr Fachbereiche zu einer Vielfalt von fachbereichsübergreifenden Studienprojekten mit großer thematischer Breite.

Gebündelt werden diese Veranstaltungen im Teilprojekt KIVA-Studienprojekte unter dem Dach des Projekts KIVA (Kompetenzentwicklung durch interdisziplinäre Vernetzung von Anfang an). Die erfolgreiche Verbesserung von Studienbedingungen und Lehrqualität durch KIVA wird durch die Folgeförderung im Qualitätspakt Lehre bis 2020 anerkannt.

Im Studienjahr 2016/17 laufen sieben Projekte mit 22 Partnern und rund 2400 Studierenden in der Studieneingangsphase. Die Studierenden erarbeiten in fächerübergreifend gemischten Gruppen Lösungskonzepte für komplexe, praxisnahe Aufgaben – intensiv betreut von Lehrkräften und versierten Fach- und Teambegleiterinnen und -begleitern. Dabei geht es um innovative Lösungen, aber auch darum, teamorientiert zu arbeiten und soziale wie kommunikative Kompetenzen zu erwerben.

Wie später im Berufsleben müssen die Studierenden Brücken zwischen Fächern mit oft ganz unterschiedlichen Anforderungen, Vokabular oder Arbeitsweisen schlagen. Erfahrungen aus den Vorjahren haben gezeigt: Die Freude an der Interdisziplinarität, die in den Studieneingangsprojekten geweckt wird, hält lange an und motiviert zu weiteren Studienerfolgen.

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